Osterglocken


Gelbe Blüten, Uferrand,
Tiefe Schnitte in der Hand,
Tropfend Blut aufs Blütenblatt,
Goldner Saft verfärbt die Nacht.

Wort für Wort geht in die Leere,
Leere, die ich fülle mir,
Spüre ich doch stets die Schwere,
Die das Wasser bietet mir.

Spiegelbilder, Zukunftslügen,
Bilder der Vergangenheit,
Bilder, die die Wahrheit trügen,
Bilder einer andren Zeit.

Bilder, voller Hoffen, Bangen,
Bilder voller Niedertracht,
Bilder ziehen rasch von dannen,
Rasch hinfort, wenn es wird Nacht.

Mond und Sichel, Spiegelferne,
In ihm brennt die Sonne nur,
Ich als Lichtpunkt aller Sterne,
Ich als Sonne, Licht, Natur.

Wort für Wort geht in die Stille,
Prallt aufs Wasser und zurück,
Tausend Jahre gähnend Leere,
Rühre ich mich doch kein Stück.

Laufe Meilen, tausend Schritte,
Jede Stunde, jeden Tag,
Ruht mein Geist doch an der Stätte,
Jeden einzeln Stundenschlag.

Wort für Wort geht weg vom Licht,
Wort für Wort kommt 'rück zu mir,
Wort für Wort verhallt in Gischt,
Und Wort für Wort bleibt ferner dir.

Wort für Wort, ich bin die Stille,
Nebel, Spiegel, Wasser, Wille,
Angst und Hoffnung, Zukunftstraum,
Meereswogen, Wellenschaum,
Spiegelbild und Spiegel selbst,
Sonnenzentrum dieser Welt,
Stets im Schatten, steht’s allein,
Stets am Ufer, lautlos schrei’n.

Gelbe Blüten, Uferrand,
Tausend Bilder mir bekannt,
Kaltes Wasser, warmes Licht,
Reichen zur Erkenntnis nicht.

© Copyright 2026 Simon Wolf. Alle Rechte vorbehalten.

Website Builder Software