Wärmer


Sanftes Brennen, warm die Haut
Sanft versengt sie mir,
Kalte Winde mir vertraut,
Kalte Winde hier.

Stetig sengen, nie erfroren,
Nie zum Kältetod erkoren,
War ich mir und warst du mir,
Zu zweit im warmen Winter hier.

Unermüdlich ist das Brennen,
Endlos weiter wird es drängen,
Fern von dir und nah zu mir,
Nah zu mir und fern von dir.

Sonnenstrahlen, Mondesaugen,
Wärme wie Tantalus‘ Trauben,
Nah und fern und fern und nah,
Nah und fern und immer da.

Feuerzungen, warm wie Wüsten,
Sandesstürme all verwüsten,
Alles brennen nieder sie,
Vieh wie Mensch und Mensch wie Vieh.

Nun steh ich hier, Melinoë,
Nun steh ich hier und warte,
Nun steh ich hier, Melinoë,
Es brennt in mir die Frage.

Nun steh ich hier, Melinoë,
Nun steh ich hier und frier‘,
Nun steh ich hier, Melinoë,
Ganz nah und eng bei dir.

Wie kann es sein, dass tief im Aug‘
Des Sturms aus Hitz und Flamm,
Der brennt aus endlos langem Glaub‘,
Du sitzt, mit Haut so warm wie nur
Die Sonne es sein kann,
Und bringst im Herzen, rein und pur
Nur Kälte mir heran?

Doch dann seh' ich,
Im Spiegelbild,
Im wahren Licht,
Gekräuselt und gar endlos wild
In Wasser und auch Pfützen,
Nicht mein Gesicht, doch deines nur,
In endlos gleicher, öder Spur,
Ein Bild, das will mich schützen,
Ein Bild, das ich mir selbst gewillt,
Von dir, die doch nur selbst ich bin,
Ich alleine bin der Sinn,
Denn ich allein hab dich gemacht,
Melinoë, das Licht der Nacht,
Die Wärme und auch Kälte mir,
Die Segen, die ich hab von dir,
Und du erhalten hast von mir,
Auf ewig hier.

So träume ich in Einsamkeit,
In weiter Hitz und naher Kält,
Von einem Geist, der mich festhält,
In weiter Hitz und naher Kält,
So träume ich in Ewigkeit.

So träume ich, bis es schon schneit,
Im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter,
Immer schneller, immer schlimmer,
Immer kälter, immer wärmer,
Immer weiter, immer höher,
Immer mehr und immer gleich,
Immer gleich, bis es dann reicht.

Und ich es endlich dann erkenne.

Und dann verbrenne.

© Copyright 2026 Simon Wolf. Alle Rechte vorbehalten.

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